Mittwoch, 7. Juli 2010

Kaninchen mit Tüften

"Alle Hobbits können natürlich kochen, denn diese Kunst beginnen sie schon vor dem Lesen und Schreiben zu lernen (was manche nie erreichen); aber Sam war ein ganz guter Koch, selbst nach Hobbit-Maßstäben, und auf ihren Wanderungen hatte er ein groß Teil der Lagerkocherei erledigt, wenn dazu Gelegenheit war. Hoffnungsvoll schleppte er immer noch etwas von seiner Ausrüstung mit: eine kleine Zunderbüchse, zwei kleine, flache Kochtöpfe, von denen der kleinere in den größeren paßte, drinnen lagen ein Holzlöffel, eine kurze, zweizinkige Gabel und ein paar Fleischspieße; und ganz zuunterst im Rucksack war in einer kleinen flachen Holzschachtel ein dahinschwindender Schatz versteckt, etwas Salz."


Sméagol hat Kaninchen erbeutet und Sam möchte sie kochen, was Sméagol nicht erfreut, denn er ist der Meinung, dass Fleisch nur roh gegessen werden kann. Sam bittet Sméagol, Kräuter zu suchen, dieser weigert sich jedoch:

"Sméagol wird in Teufels Küche kommen, wenn dieses Wasser kocht und er nicht tut, worum er gebeten wird", brummte Sam. "Sam wird seinen Kopf hineinstecken, ja, Schatz. Und ich würde ihn nach Rüben und Möhren und Tüften suchen lassen, wenn die Jahreszeit danach wäre. Ich wette es gibt alle möglichen guten Dinge, die in diesem Land wild wachsen. Für ein halbes Dutzend Tüften würde ich viel geben." 
"Sméagol wird nicht gehen, o nein, Schatz, diesmal nicht", zischte Gollum. "Er hat Angst und ist sehr müde, und dieser Hobbit ist nicht nett, ganz und gar nicht nett. Sméagol will nicht nach Wurzeln und Möhren graben und - Tüften. Was sind Tüften, Schatz, wie, was sind Tüften?" 
 "Kar-tof-feln", sagte Sam. "Die ganze Wonne des Ohm, und eine selten gute Unterlage für einen leeren Magen. Du wirst keine finden, also brauchst du auch nicht danach zu suchen. Aber sei ein lieber Sméagol und hole mir die Kräuter, dann werde ich eine bessere Meinung von dir haben. Und überdies, wenn du dich besserst und auch gut bleibst, werde ich dir demnächst Tüften kochen. Das werde ich: gebackenen Fisch und Bratkartoffeln, angerichtet von S. Gamdschie. Da könntest du nicht nein sagen."
"Doch, doch wir könnten. Netten Fisch verderben, ihn verbrennen. Gibt mir jetzt Fisch und behalte deine garstigen Bratkartoffeln!" 

Bereits während meiner Kinder- und Jugendzeit habe ich viel gelesen, ja man könnte sagen, ich habe Bücher regelrecht verschlungen. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die oft vergeblich nach mir gerufen hat, wenn ich völlig in eine andere Welt eingetaucht war. Obwohl eher Krimis mein Metier sind, habe ich vor bald 30 Jahren die Trilogie "Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien gelesen und war vollkommen fasziniert. Meistens bin ich ja von Verfilmungen gelesener Bücher enttäuscht, weil sie nicht mit den Bildern, die ich während des Lesens vor Augen hatte, übereinstimmen.  Deshalb war ich sehr darauf gespannt, wie gut Peter Jackson die Umsetzung dieser Trilogie gelingen wird. Mit meinem Sohn habe ich alle drei Filme im Kino geschaut und ich war überwältigt, wie sehr sich die Verfilmung mit meinen Vorstellungen aus den Büchern gedeckt hat.

Doch nun zum Rezept, wenn es auch kein gebackener Fisch mit Bratkartoffeln ist, bin ich sicher, dass es Samweis Gamdschie sehr genossen hätte.

Kaninchenkeulen mit Backofenkartoffelntüften: (2 Portionen)
2 Kaninchenkeulen
1 große Möhre
1/2 Stange Lauch
1 Knoblauchzehe
150 ml trockener Weißwein
2 Tomaten
Öl, Salz, Pfeffer, Lorbeerblatt
Pinienkerne
Kartoffeln 

Die Kaninchenkeulen salzen, pfeffern und rundherum in heißem Olivenöl kräftig anbraten, herausnehmen und im Bratfett das zerkleinerte Gemüse sowie die angedrückte Knoblauchzehe kurz andünsten. Mit Weißwein ablöschen und die Kaninchenkeulen wieder hineinlegen. Die entkernten, gewürftelten Tomaten sowie das Lorbeerblatt und die Pinienkerne zufügen. Kräuter wie Thymian oder Rosmarin würden auch sehr gut passen, standen mir aber leider nicht zur Verfügung. Das Ganze nun zugedeckt ca. 40 - 45 Minuten schmoren und zum Schluss mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat abschmecken.

Die Kartoffeln in Spalten schneiden, gut mit Olivenöl einölen und auf einem Blech im 180° heißen Backofen in ca. 35 - 40 Minuten knusprig backen und vor dem Servieren etwas salzen.






Dieser Post ist mein Beitrag zum aktuellen Kochtopfevent

Blog-Event LVIII - Kulinarisches aus
Literatur und Film (Einsendeschluss 15. Juli 2010)

Kommentare:

  1. Die Tüften sind an mir vorbeigegangen, ich hab aber (obwohl eigentlich auch Lesewurm) nur die Filme gesehen.
    Ein schönes Sommeressen!

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  2. Das war nach meiner Zeit. Ich kann mich nur an Peterchens Mondfahrt erinnern. Da der PC derzeit eh stumm ist, kann ich die Filmchen leider nicht hören. Macht aber nichts, Kaninchen darf ich eh nicht braten. Bin aber zufrieden mit den Bratkartoffeln.

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  3. Sehr schöne Idee und Umsetzung! Vielen Dank fürs Mitmachen! Der kleine Hobbit und die Herr der Ringe Trilogie waren meine ersten Bücher auf Englisch, das war damals zur frühen Schulzeit ein ganz schöner Happen, aber Liebe auf den ersten Blick.

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  4. Toller Beitrag! Kanninchen kann ich leider auch nicht nachkochen, sorry. Meine Kids wuerden da nichts anruehren. Sieht aber sehr lecker aus.
    Kirsten

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  5. Das ist schoen be/geschrieben! Allerdings muss ich mich den Kaninchenschwierigen anschliessen. Ist auch nicht so ganz mein Ding...aber ich habe Lust bekommen, dass Buch zu lesen, dass schon sehr lange in meinem Buecherregal steht.

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  6. @Toni
    In den Büchern gab es durchaus Abschnitte, durch die ich mich durchkämpfen musste, weil vieles bis in kleinste Detail beschrieben wird, da sind die Filme kurzweiliger.

    @lamiacucina
    Oh ja der Herr Sumsemann hat mir auch gut gefallen. Bei Kaninchen scheiden sich oft die Geister.

    @Evi
    An dem Event habe ich besonders gerne teilgenommen. Für das Lesen der Bücher auf Englisch hast Du meine Bewunderung, für mich waren sie schon in Deutsch ein ziemlicher Brocken.

    @My Kitchen in the Rockies
    Danke! Wenn Hähnchen kein Problem für Deine Kids sind, kannst Du anstelle der Kaninchen problemlos Hähnchenschlegel nehmen, das schmeckt auch sehr lecker.

    @Jutta Lorbeerkrone
    Ich habe auch Lust bekommen, die Bücher nochmals zu lesen. Die Kaninchenkeulen kannst Du durch Hähnchenschlegel ersetzen.

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  7. Genau die grüne Taschenbuch-Ausgabe war mein erster Kontakt mit Mittelerde. Ich war damals glaube ich in der siebten oder achten Klasse und nicht unbedingt bekannt für meine Leselust. Das änderte sich dann. Und letzten Sommer habe ich eben diese alte, grüne Ausgabe einer Freundin geschenkt - mittlerweile habe ich mir schönere Versionen zugelegt -, die bislang nur die Filme kannte und siehe da, sie begann zu lesen und kaufte alle weiteren nach.

    Oh, und lecker Tüften sind natürlich super, auch wenn man als Vegetarier vermutlich keine so guten Karten im Auenland hätte. Obwohl Eier und Pilze ja auch hoch in deren Gunst stehen.

    Schöne Idee allemal!

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  8. @George
    Ich bin ja eigentlich der Meinung, dass Bücher besser sind, als ihre Verfilmungen. Nachdem ich jedoch die Filme "Herr der Ringe" bestimmt schon mehrere duzend mal gesehen habe (ist unser absoluter Familienlieblingsfilm für lange Winterabende), kann ich mir die Charaktere beim Lesen noch besser vorstellen.

    Ich glaube, dass bei den Auenländern Fleisch gar nicht so sehr im Vordergrund steht, sondern dass sehr viel Gemüse gegessen wird.

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